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Reformationsstadt

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Stand der Dinge: Einschätzungen zum „Areal Ulrich“

von Christian Utpatel —

Die Homberger Freien Wähler haben sich ausführlich mit den Entwicklungen beim „Areal Ulrich“ beschäftigt. Dazu dienten eine eigene Informationsveranstaltung mit Homberger Einzelhändlern und dem Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes sowie der „Bürgerworkshop“ in der Stadthalle. Zum derzeitigen Stand der Debatte stellt sich für uns die Lage wie folgt dar:

1. Es geht dem Investor ausschließlich darum, Supermärkte und Discounter, die es in Homberg bereits gibt, auf das „Areal Ulrich“ umziehen zu lassen. Von neuen und andersartigen Geschäften als denen, die in Homberg vorhanden sind, ist keine Rede. Beim Bürgerworkshop hat dies Herr Markus Staedt, Vertreter des Entwicklungsbüros ANP, bereits in seiner Einleitung vor der gesamten Versammlung in der Stadthalle gesagt. Ziel sei es, (wörtlich:) „Lebensmittel und Discounter, und zwar örtlich ansässige, zusammenzuführen“. Dem entsprechen auch seine Aussagen in einem Artikel der HNA wenige Tage zuvor, in dem er das Efze Center im Osterbach als wesentlichen Konkurrenten seines neues Centers benannt hat. In der Arbeitsgruppe nannte Staedt die Firmen „Rewe“ und „Aldi“, mit denen man über einen Umzug im Gespräch sei. Auch „Rossmann“ wurde in diesem Zusammenhang erwähnt.

2. Nach den Vorstellungen des Projektentwicklers geht es um einen zusammenhängenden, eingeschossigen Bau, dessen Dachfläche für 300 Parkplätze genutzt wird.

3. In den vom Projektentwickler vorgelegten Plänen sind keine weiteren Nutzungen außer „Einkaufen“ vorgesehen.

Daraus ergibt sich für uns:

Die Träume, die in der Öffentlichkeit von der tollen neuen Shoppingwelt herrschen, trügen. Es sind keine neuen Boutiquen und Fachgeschäfte zu erwarten. Es geht ganz schlicht um die Frage, ob Rewe zukünftig einige Meter vom Stellbergsweg Richtung Ziegenhainer Straße und Aldi vom Efze Center in die Innenstadt umzieht.

Ohne neue Einkaufsangebote wird Homberg als Ganzes nicht attraktiver. Ob jemand aus Wabern, Frielendorf oder Malsfeld nach Fritzlar, Schwalmstadt oder Melsungen zum Einkaufen fährt – oder nach Homberg – entscheidet sich sicherlich nicht an der Frage, ob Aldi am Stadtrand oder im Stadtzentrum ist. Dazu müsste man zusätzlich neue, attraktive Geschäfte nach Homberg holen. Davon ist derzeit aber keine Rede.

Der Trend, Märkte von den Randgebieten zurück in die Innenstadt zu holen, ist sicherlich zu begrüßen. Auch die FWG hat im Bürgermeisterwahlkampf „Aldi an die Drehscheibe“ gefordert. Absurd ist es in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Homberger Mehrheitsparteien gerade in den vergangenen Monaten die Randgebiete gestärkt haben: Im Efze Center wurde eine erhebliche Erweiterung genehmigt. An der Nordumgehung ist ein gerade erst genehmigtes, komplett neues Einkaufsgebiet im Bau. Und bei „Weckesser“ werden die Möglichkeiten, mit der Entscheidung über den Bau eines weiteren Lebensmitteldiscounters wenigstens zu warten, bis im „Areal Ulrich“ Klarheit herrscht, nicht genutzt. Eine Verlagerung von Einkaufsflächen in die Innenstadt macht aber nur Sinn, wenn sie konsequent gemacht und von einem Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung begleitet wird. Sonst kommt es nur zur Verschiebung des Vorhandenen: Jeder Umzug sorgt woanders wieder für Leerstand.

Von zentraler Wichtigkeit ist es, dass der Bau auf dem „Areal Ulrich“ das vorhandene Gewerbe in der Altstadt unterstützt. Es darf gehofft werden, dass Frequenzbringer wie Aldi und Rewe so viel Publikum anlocken, dass davon auch die Altstadt profitiert. Damit ein Aldi-Einkäufer aber nicht nur seine Einkäufe auf dem Parkdeck in seinen PKW lädt, sondern anschließend auch noch einen Fußweg in die Altstadt auf sich nimmt, müsste das Angebot in Einzelhandel und Gastronomie in der Altstadt sehr verlockend sein. Die Homberger FWG ermutigt daher die Aktiven in der Homberger Altstadt, sich offensiv mit den Entwicklungen im „Areal Ulrich“ auseinanderzusetzen. Im optimalen Fall gelingt es endlich, die seit Jahren diskutierte Marketingstrategie „Einkaufserlebnis Homberger Altstadt“ umzusetzen. Die Homberger Politik täte gut daran, die zum Teil seit Jahrzehnten in der Stadt aktiven Kaufmannsfamilien dabei zu unterstützen.

Während des Bürgerworkshops in der Stadthalle ist sehr deutlich geworden, dass sich die Homberger Bevölkerung auf diesem Areal „mehr als nur Einkaufen“ wünscht:
– Genannt wurde etwa der Bau von Wohnungen, die modern, stadtnah und daher attraktiv sein könnten. Dabei wurde der Fokus auf altersgerechtes, barrierefreies ebenso wie generationenübergreifendes Wohnen gerichtet.
– Genannt wurde die Entwicklung von Freizeiteinrichtungen wie etwa eines kleinen Programmkinos oder einer modernen Stadtbibliothek mit Zugang zu Internet und neuen Medien.
– Genannt wurde der Bau eines Hotels. In diesem Zusammenhang verweist die FWG auf ihre Anfrage an den Magistrat zum Thema „Reformationsstadt“, deren Beantwortung noch aussteht. Wenn Homberg auf dem Hintergrund von „Reformationsstadt“ und „GrimmHeimat“ jemals in größerem Maßstab Tourismus entwickeln will, braucht es ein Hotel, das in Größe und Stil für Reisegruppen geeignet ist. Solch ein neues Hotel wäre eine gute Ergänzung zu den vorhandenen Angeboten. Ein solcher Bau dürfte im vorhandenen Altbaubestand der Homberger Hotels kaum umsetzbar sein. Das „Areal Ulrich“ stellt die letzte innerstädtische Fläche dar, auf der ein Hotelbau attraktiv sein könnte.

Die vom Parlament eingesetzte „Lenkungsgruppe“ wird sich am 14. Juli weiter mit den Entwicklungen beschäftigen. Dabei steht als erster von fünf Tagesordnungspunkten „Kurzer Bericht zu den Ergebnissen des 1. Bürgerworkshops in der Stadthalle“ auf der Einladung. Es bleibt zu hoffen, dass sich die eingesetzte Lenkungsgruppe sehr intensiv mit den Anregungen des Bürgerworkshops beschäftigt. Wenn die oft beschworene Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ernst gemeint ist, dann müssen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung intensiver diskutiert werden als nur in einem „kurzen Bericht“.

Kommentar von Christian Utpatel, Vorsitzender der FWG Homberg

Siehe dazu auch: Dokumentation auf der Webseite der Stadt Homberg

Ergänzung aus dem „Lenkungsausschuss“:

Die 2. Sitzung des Lenkungsausschusses zum Thema „Ulrich Areal“ bestätigt, was bisher schon zu erahnen war: Es gibt keine neue tolle Shoppingwelt, sondern es geht einzig und allein um die Umsiedlung von bereits in Homberg vorhandenen Supermärkten. Von dem, was bei der sog. „Bürgerbeteiligung“ vor drei Wochen in der Stadthalle aus der Bevökerung eingebracht wurde, ist keine Rede. Auch die Rotbuchen kommen weg, weil sonst (das übliche Totschlagargument) der Investor abspringt. Es geht um 08/15 Supermärkte, nichts weiter. Die Auswirkungen auf die Entwicklung der Altstadt sind unklar. Als hätten wir es kommen sehen…

Siehe dazu: Bericht der HNA

Ergänzung aus der Stadtverordnetenversammlung:

Auch der Bürgermeister bestätigt vor der Stadtverordnetenversammlung das Discounter-Konzept:
„Herr Bürgermeister Dr. Ritz berichtet von den Diskussionen in den Aus-schüssen, in der Lenkungsgruppe und in der Bürgerinformation in der Stadthalle.
Dann beschreibt er das Vorhaben wie folgt:
Die Firma REWE werde in das neue Gebäude umsiedeln und sich vergrößern.
Weiterhin werde sich ansiedeln, ein Discounter mit ca. 1.500 m² Verkaufsfläche, eine Drogerie mit 800 m², ein Textilkaufhaus mit 1.400 m², ein Schuhgeschäft mit 500 m² und weitere kleinere Geschäfte. Insgesamt sollen 7.000 m² Verkaufsfläche angeboten werden.“ (Protokoll der Stavo 23. Juli 2015)

FWG fragt nach „Reformationsstadt“

Vor einem Jahr wurde unserer Stadt vom Hessischen Innenministerium offiziell der Titel „Reformationsstadt“ zuerkannt. Seitdem ziert er auch die offiziellen Erkennungszeichen wie Ortsschilder, Briefbögen und Logos. Dieser Titel wird die Stadt in den nächsten Jahrzehnten begleiten.

Das bevorstehende 500-jährige Jubiläum der Reformation, das ab dem Jahr 2017 mit dem Gedenken an Martin Luthers Thesenanschlag begangen wird, rückt die „Reformationsstadt“ in den Blickpunkt. Für Homberg wird das Reformationsjubiläum besonders im Jahr 2026 wichtig, wenn sich die Homberger Synode zum 500. Mal jährt.

Daraus ergeben sich zwei Herausforderungen:
– Zum einen gilt es eine langfristige, auf Jahrzehnte hinaus wirkende Strategie zu entwickeln, wie sich Homberg auf Dauer als „Reformationsstadt“ versteht, unabhängig von aktuellen Jubiläen.
– Zum anderen sollte projektbezogen ein Konzept entwickelt werden, wie das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 und insbesondere das Synodenjubiläum in 2026 begangen wird.

Mit einer Anfrage in der heutigen Stadtverordnetenversammlung bittet die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft Homberg (FWG) den Magistrat um Beantwortung folgender Fragen:

1. Der Stadtmarketingverein Homberg hatte in den vergangenen Jahren einen Geschäftsführer, dessen Einstellung u.a. mit seiner fachlichen Kompetenz bei dem Thema „Reformation“ begründet wurde. Welche Ergebnisse mit Blick auf die Ausgestaltung des Themas „Reformationsstadt“ wurden in dieser Zeit erarbeitet?

2. Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen dem Stadtmarketingverein und dem Verein „Haus der Reformation“ geregelt? Gibt es eine Absprache, welcher Verein für die Entwicklung eines Konzeptes zum Thema „Reformationsstadt“ zuständig ist?

3. „Reformation“ ist zuvörderst ein kirchliches Thema, das auch etliches Konfliktpotential birgt und für die Trennung der Kirchen steht. Inwiefern sind die Homberger Kirchengemeinden, der Ökumenische Arbeitskreis, andere Institutionen wie das Evangelische Forum Schwalm-Eder, insbesondere aber auch die römisch-katholische Kirchengemeinde in die Konzeptentwicklung „Reformationsstadt“ einbezogen?

4. Deutschlandweit werden vom Reformationsjubiläum wesentliche Impulse für den Tourismus erwartet. Inwiefern ist der örtliche Tourismusverband Knülltouristik e.V. in die Konzeptentwicklung „Reformationsstadt“ einbezogen?

5. In welcher Weise sollen das Reformationsjubiläum 2017 und das 500. Jubiläum der Homberger Synode im Jahr 2026 begangen werden? Welche Aktivitäten sind für die Reformationstage 2015 und 2016, die jeweils auf ein Wochenende fallen, vorgesehen?

Dokumentation: Anfrage der FWG

Dokumentation: Antwort des Bürgermeisters (Sitzung der Stadtverordnetenversammlung 23. Juli 2015)

„Reformationsstadt“ – was jetzt zu tun ist

Homberg schmückt sich mit dem Titel „Reformationsstadt“, doch nach wie vor fehlt ein Konzept. Weder den Hombergerinnen und Hombergern noch den Gästen von Auswärts ist deutlich, was sich hinter dieser Hülle verbirgt und worin der Mehrwert etwa für das örtliche Gewerbe besteht. Im Rahmen ihrer „Thementage“ lädt die Freie Wählergemeinschaft daher am Samstag, 25. April in ihren FreiRaum ein, um über diese Fragen nachzudenken. In der ganzen Welt laufen die Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum 2017 – gibt es für Homberg eine Chance, jetzt noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen? Was sind die Erwartungen? Was hat die Homberger Bevölkerung davon? Wie können Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus von der „Reformationsstadt“ profitieren? Welche Rollen spielen die Kirchengemeinden und Schulen? Referent Christian Utpatel ist Eigentümer eines Reiseunternehmens, das im Auftrag internationaler Veranstalter und Organisationen Reisen und Projekte zum Reformationsjubiläum durchführt. Er ist außerdem an verschiedenen Arbeitsgruppen beteiligt, die in Wittenberg, Zürich und Dordrecht das Jubiläum vorbereiten. Utpatel, zugleich Vorsitzender der FWG, wird an konkreten und bezahlbaren Beispielen aufzeigen, was jetzt zu tun ist.

Samstag, 25. April 2015, 10 bis 12 Uhr, FreiRaum in der Westheimer Straße 8

Opitz zu „Reformationsstadt“: Es fehlt das Konzept!

Es sei sehr erfreulich, dass Homberg nun endlich nach jahrelangem Vorlauf den Titel „Reformationsstadt“ auch offiziell auf seinen Ortsschildern verwenden kann, meint Markus Opitz, Kandidat der Freien Wähler für die Bürgermeisterwahl am 25. Mai. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch nach vier Jahren hauptamtlichem Stadtmarketing nicht gelungen sei, diesen Begriff mit Leben zu erfüllen. Markus Opitz verweist auf Kompetenzen, die in Homberg vorhanden sind – und sagt, was er anders macht wenn er zum Bürgermeister gewählt wird. Die ganze Pressemitteilung bei www.Opitz-für-Homberg.de

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