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AG Stadtentwicklung, Aus der Fraktion.

Infofahrt Marktplatz Ost: Notizen eines Stadtverordneten

Informationsfahrt für das EKZ Marktplatz Ost am 22.Oktober 2011

Notizen von Eckbert Siebert, Stadtverordneter der FWG Homberg (Efze)

Am 22.Oktober um 8.00 Uhr Treffpunkt Busbahnhof Homberg. Einsteigen in den Bus der Firma Grau. Begrüßung durch den BMW und anschließend Abfahrt der Informationsfahrt um 8.20 Uhr.

Mir bekannte Teilnehmer: Bürgermeister Martin Wagner (CDU), Magistrat: Frau Otto (Bündnis 90/Die Grünen), Frau Gerlach (SPD); Stadtverordnete: Heinz Marx SPD, Karin Wilhelm SPD, Claudia Ulrich CDU, Achim Jäger FWG, Günther Koch FWG, Dietmar Groß + Frau FWG, Thomas Hoffmann FWG, Eckbert Siebert FWG, Hilmar Höse Bündnis 90/Grüne; Stadtverwaltung: Herr Arndt, Herr Gontermann mit Frau, Herr Ziegler, Herr Ebert; weitere Teilnehmer: ca. 23 interessierte Bürger und 4 Kinder (!!).

BEBRA

Ankunft in Bebra 9.15 Uhr und Empfang im Rathaus der Stadt Bebra durch Bürgermeister Groß (seit 1995 Bürgermeister) der jeden Teilnehmer mit Handschlag begrüßte. In dem Sitzungssaal fanden wir alle Platz und der GF der Stadtentwicklung Bebra GmbH Herr Knorre präsentierte uns auf der Leinwand per Dia das geplante Objekt EKZ. Das geplante Objekt wurde ausführlich vorgestellt u.a. Grundrisspläne, Ansichten und Stadtplan. Weitere Punkte waren:

– Rahmenpläne wurden von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt.

-Umsetzung erfolgt ausschließlich durch die GmbH

– Jedes Jahr zeitgemäß wird ein Jahresabschluß erstellt

– Einfaches Ausschreibungsverfahren wegen Aufträge (nicht europaweit, freie Wahl der

Unternehmer)

-Vorteil der Mehrwertsteuer

-Altenpflegeeinrichtung wird in unmittelbarer Nachbarschaft neu errichtet

-Altengerechte Wohnungen (BetreutesWohnen) sollen in dem Objekt entstehen (geplant 10

Einheiten

-1/3 der Flächen  befinden sich im städtischen Eigentum

-Beteiligung der Bürger an einem Finanzierungsfonds (angedachte Rendite 4% – 6%)

-Beteiligung der Bürger an den Planungen (ganz wichtig!!)

-Durch die finanzielle Beteiligung der Bürger – erreiche ich eine Kundenbindung – Mein Geschäft!!

-Keine Diskounter sondern Qualität!!

-Fördermittel Soziale Stadt abgreifen

-Planer Architekt Fuchs, Bad Hersfeld + Architekt Hess, Neuenstein-Mühlbach

Herr Knorre beantwortete bereitwillig von mir gestellte Fragen und ist auch für die

Folge bereit, mir Unterlagen und Auskünfte, soweit möglich, zur Verfügung zu stellen.

Eine gelungene, offene und ehrliche Repräsentation des Vorhabens.

Persönliches Fazit: Durch die Wiedervereinigung und Wegfall des Bahnknotenpunktes der Eisenbahner-Stadt Bebra wurden viele alte und ältere Gebäude und Grundstücke der DB nicht mehr benötigt. Der Abriss der Gebäude und der Erwerb der Grundstücke von der DB waren sicherlich einfacher als in Homberg. Ich glaube, dass die gute, offene und ehrliche Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Parlament und Verwaltung Erfolg haben wird.

ESCHWEGE

Um 11.30 Uhr erreichten wir Eschwege und dort begrüßte uns der Bürgermeister Alexander Heppe und der GF Wolfgang Conrad von der SEG. Zur Vorgeschichte: Eschwege hatte ein großes Karstadt-Kaufhaus und Woolworth-Kaufhaus die über 50% der Verkaufsfläche verfügten. Nach Insolvenz bzw. Schließung standen die bestehenden Gebäude leer und die Kundschaft orientierte sich nach Göttingen, Kassel, Bad Hersfeld in 50 km bzw. 60 km Entfernung gelegen. Die SEG plante und verwirklichte zwei Einkaufzentren in der Innenstadt. In der Herrengasse wurde einige alte Gebäude zu einer großen Ladenfläche zusammengefasst, entsprechend umgebaut und die Fassaden wurden erhalten. Der Denkmalschutz wurde rechtzeitig „mitgenommen“ und zeigte sich den heutigen Ansprüchen gegenüber sehr aufgeschlossen. Begünstigt wurde dies auch durch die örtliche Sparkasse, die Ihr Gebäude in die Häuserzeile integrierte. Die Schloss-Galerie wurde in das leerstehende Gebäude von Karstadt angesiedelt. Durch Abriss und Anbau (geschickte Holzbauverkleidung) entstand hier eine Verkaufsfläche von 5.000 qm die durch die Fachwerkfassade betreten wird und sich im Innenbereich als moderne Einkaufsstätte präsentiert.  Der Ankermieter alleine betreibt auf 2.500 qm Verkaufsfläche seine Geschäfte. In der Schloss-Galerie befinden sich folgende Geschäfte:

Vockeroth

Tisch + Tafel

Stift + Buch

Spielzeugland

Amlings Mode Store

HC Parfümerie Weber

Schmuckgalerie

Thomas Cook

Reisebüro Pommeranz

Cafe Siemon

Restaurant (Mittagstisch Stammessen um 4,50 €)

Durch diese Maßnahmen konnte das Einkaufzentrum belebt werden und die Einzelhandelsgeschäfte in der unmittelbaren Umgebung (auch kleine Kneipen laden zum Verweilen ein) profitierten entsprechend. Bei der Schloss-Galerie fungiert die SEG als Generalmieter und die Stadt vermarktet die Verkaufsflächen in eigener Regie. Die Mietpreise sind moderat ab 10,–€/qm und die SEG schreibt eine schwarze „Null“. Allerdings sind durch die Modernisierungen der Häuser in manchen Gebäuden keine Wohnungen in den OG möglich und der geringe vorhandene Wohnraum weist dennoch einen Leerstand von 10% aus. An jedem Samstag findet zudem ein großer Wochenmarkt in der Fußgängerzone statt. Ich habe „3 rollende Metzgerverkaufswagen, 1 Geflügelverkaufswagen, 1 Fischverkaufswagen, 1 Käseverkaufswagen“, 3 Bratwurststände, 1 Suppenküche und jede Menge Obst- und Gemüsestände, sowie Stände mit Blumen und handwerkliche Kunstgegenständen gesehen. Eine mitgereiste Dame aus Homberg äußerste sich erstaunt: Und die Leute kaufen hier alle ein? Das ist ja ein Traum! Hier lässt es sich „Leben“!

Es stehen ausreichend Parkplätze um die Fußgängerzone zur Verfügung und in 5 bis 10 Minuten Fußweg ist das „Einkaufsparadies“ zu erreichen. Von unserem Parkplatz über die kleine Brücke brauchte ich 7 Minuten bis zum Anfang der Fußgängerzone.

Herr Conrad überreichte mir seine Visitenkarte und zeigte sich auch bereit, weitere Hilfestellung zu geben. Er betonte aber: Umsonst gibt es dieses Einkaufserlebnis nicht. Es steckt sehr viel harte Arbeit + Ideen dahinter und auch Rückschläge müssen aufgearbeitet werden. Aber nach dem Motto: Eins nach dem anderen. Finanziell drücken Eschwege 30 Mio € Schulden. Aber wir werden Eschwege wieder lebenswert machen. Dazu tragen auch die kleinen Erfolge bei, z.B.dass Besucher aus Thüringen (u.a.Eisenach) wieder Eschwege entdecken.

Fazit: Die Lockerheit, Entschlossenheit, Zuversicht und Ehrlichkeit der maßgebend beteiligten Personen an diesem Erfolgsmodell hat mich doch sehr beeindruckt. Auch in der Stadt Eschwege ist es bergig und trotzdem mutet man den Bürgern Fußwege zu. Ich denke man wird kein Modell

1 zu 1 übertragen können; aber wichtige Anregungen, das „Für und Wider“ sollte Anlass für weitere sinnvolle und vernünftige Diskussionen sein.

Ich wünsche Eschwege weiterhin viel Erfolg!

WORBIS-LEINEFELDE

Um 14.30 Uhr erreichten wir den Stadtteil Leinefelde und wurden vom Bauamtsleiter Herrn Roland Senft begrüßt. Herr Senft sprach im Bus ein paar einleitende Worte und dann begann der Fußweg durch Leinefelde. Die Stadt Worbis-Leinefelde besteht aus dem größeren Stadtteil Leinefelde ca. 9.500 Einwohner und aus dem kleineren Stadtteil Worbis ca. 5.000 Einwohnern. Leinefelde hat nach der Wende ca. 6.000 Arbeitsplätze (Textilschwerpunkt) und 5.000 Einwohner verloren und die Stadt musste sich neu aufstellen. Zwischen der Bahnhofsstrasse und der alten Einkaufsstrasse befand sich ein Grundstück in der Größe von ca. 4.500. qm das zur Hälfte baurechtlich bereits im Sanierungsgebiet lag. Dieses Grundstück war nur am Rand –zum Bahnhof hin- bebaut und beherbergte die Post. Die anderen Gebäude z.T. Baracken konnten problemlos und kostengünstig abgerissen werden. In den Jahren 2002 – 2003 kam Kaufland und wollte ein Einkaufszentrum errichten. Herr Senft hatte entsprechende Lagepläne dabei, die er vorlegte und uns bereitwillig erklärte. Gegen den seinerzeitigen Widerstand der Einzelhändler wurde ein Einkaufsmarkt in der Größenordnung von ca. 3.500 qm errichtet. Durch die Höhenunterschiede der beiden Strassen von 1,40 m konnten so im UG ca. 200 Parkplätze geschaffen werden. Da das Grundstück außerdem von allen Seiten befahren werden kann, war die Planung der Zu- und Abfahrt (Belieferung durch große LKW) sowie die Zufahrt zum Parkbereich für die Pkw recht einfach zu lösen. Die Anwohner an der einen Grundstückseite wurden durch Schallschutz und durch entsprechende Zeitkorridore für Belieferungszeiten von der Baumaßnahme überzeugt. Der Kauflandmarkt ist heute ein fester Bestandteil der Stadt und das Einzugsbereich beträgt heute ca. 15 km. Die Post hatte das Gebäude an der Bahnhofseite verlassen und andere Dienstleister nutzten das Gebäude. Heute bereut die Post diesen Entschluß. Den unmittelbar angrenzenden Bahnhof hat die Stadt von der DB gekauft, saniert und Teile wieder langfristig an die Bahn vermietet. Ein Gastronomiebetrieb hat etwa die Hälfte angemietet und betreibt dort sein Geschäft. Die Stadt Leinefelde hat der DB abgerungen, dass es wochentags möglich ist, am Schalter Fahrkarten zu erwerben. Im Hinblick auf die wachsende ältere Bevölkerung auf dem flachen Lande, den steigenden Benzinkosten und Ausdünnung des Personennahverkehrs, sicherlich eine gute Entscheidung. Das Angebot wird z.Zt. von der Bevölkerung gut genutzt. Auf der gegenüber liegenden Strassenseite des Eingangs des Kauflandmarktes befindet sich der Busbahnhof mit öffentlichen Toiletten. Desweiteren befindet sich dort ein EXPERT-MARKT mit ca. 1.100 qm Verkaufsfläche.

Nach ca. 300 m Fußweg befindet man sich in der Einkaufsstrasse mit den vielseitigen Fachgeschäften für den täglichen Bedarf.Die Sparkasse und auch die Volksbank+Raiffeisenbank haben sich in diesem Bereich angesiedelt. Vor den Geschäften befinden sich breite Bürgersteige,  zwischen 4 m und 5 m breit, sodaß hier keine Fußgängerzone eingerichtet wurde. Die Strasse ist zudem so breit, daß rechts und links in die entsprechende Fahrtrichtung, zahlreiche Parkplätze entstanden sind. Parkautomaten regeln die Parkzeiten und füllen das Stadtsäckel. Hier ist eine gut funktionierende Innenstadt entstanden, die gut zu erreichen ist, ausreichende Parkplätze bietet und zum Erlebniseinkauf einlädt. Der REWE- Markt auf der „Grünen Wiese“ arrondiert bereits schon jetzt die Lage um nach Ablauf der Pachtzeit sich neu zu orientieren. Auch ein TOOM-Markt ist im Gespräch. Alles in im Bereich Innenstadt. Die Grundstückspreise bewegen sich um 85,–€/qm und die Geschäftsmieten liegen zwischen 6,–€ und 8,–€/qm und man ist stolz keinen nennenswerten Leerstand zu haben.

Nachdem nun die Grundlagen für gutes Wohnumfeld geschaffen worden sind, will man sich bemühen den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Es wurden 39 barrierefreie Wohnungen gebaut  und alle konnten erfolgreich vermarktet werden. Die „alten Bewohner“ kommen zurück und suchen entsprechenden Wohnraum. Ein Ärztehaus befindet sich im Bau und wird im Frühjahr 2012 fertig gestellt. Am Rande der Innenstadt befindet sich eine größere Wasserfläche, die in naher Zukunft städtebaulich gestaltet werden soll (Naherholungsgebiet).

Anschließend bot Herr Senft eine kleine Stadtrundfahrt (20 Minuten) an . Ein kleine Schar nahm das Angebot dankbar an und machte sich mit Ihm per Bus auf den Weg. Wir fuhren an den Stadtrand. Das bestehende Krankenhaus in Leinefeld wurde geschlosssen in in eine Einrichtung „Betreutes Wohnen“ umgebaut und ist voll ausgelastet. Da zwei voll funktionsfähige Krankenhäuser sich in 5 km bzw. 13 km Entfernung in Heiligenstadt und Worbis befinden ist der Verlust zu verschmerzen, da die ärztliche Versorgung weiterhin gewährleistet ist. Die früheren Plattenbausiedlungen wurden beispielhaft modernisiert. Der Wohnraum wurde der Bevölkerung angepasst d.h. Häuser wurden abgerissen oder ganze Stockwerke wurden abgetragen. Bei den Modernisierungsarbeiten wurde auch darauf geachtet, dass bezahlbarer Wohnraum für sozial Schwächere im Angebot ist. Grünanlagen sind auf den freien Flächen entstanden und Bauplätze für den Eigenheimbau ergaben sich zwangsläufig. Momentan bewegt sich der Wohnungsleerstand zwischen 2% – 4%. In dem großen Gewerbegebiet wurden die Grundstücke mit Ver- und Entsorgungsleitungen versehen, sodaß jede Parzelle einen eigenen Anschluß hat und der Erwerb und weitere Gewerbeansiedlungen möglich sind. Die Stadt bemüht sich weiter bestehende Objekte (Turnhallen, Sportstätten, Schwimmbäder, Kulturstätten) entsprechend zu gestalten um die Attraktivität vom Leinefelde zu erhöhen.

Die Frage nach der Höhe der Schulden der Stadt Worbis-Leinefelde: Das ist Sache des Kämmers. Aber so doll kann das nicht sein. Die Förderung betrug teilweise bis 90%.

Anmerkung Verfasser:

Ich denke hier wurde mein Soli gut angelegt. Solide, bescheiden und überschaubar.

Herr Senft sich viel Mühe gegeben um uns „seine Stadt Leinefelde“ vorzustellen. Es ist Ihm hundertprozentig gelungen. Auch hier kann man der Bevölkerung, der Verwaltung und den „Machern“ ein hohes Lob aussprechen. Sie können stolz auf das „Erreichte“ sein.

Fazit: In Leinefelde finde ich ein fast ebenes Grundstück. Kaufland tritt als Investor und Grundstückseigentümer auf. Zugang von allen Seiten möglich. Kaum Abrisskosten (Baracken). Planungsfreiheit ohne große baulichen Einschränkungen. Kostengünstige Erstellung des neuen Gebäudes und somit auch bezahlbare (kalkulatorische) Mieten. Überschaubare Unterhaltungskosten und geringes Verwertungsrisiko.

Hätten wir am Marktplatz nur so ein Grundstück!!

Homberg, den 23. Oktober 2011

Ich weise den Leser ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier um einen Bericht handelt, der ausschließlich die Wahrnehmung, die Erkenntnisse und Meinung des Verfassers darstellt.

Eckbert Siebert,
Stadtverordneter der FWG
eckbert-siebert@t-online.de

 

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